.
Im Allgemeinbildenden Unterricht für Erwachsene (ABU-E) entstehen Texte, die mehr sind als Schreibübungen: Sie sind persönliche Auseinandersetzungen mit der eigenen Lebensrealität. Erwachsene zwischen Anfang 20 und bis 60 Jahren besuchen hier einen Jahreskurs, der sie auf eine verkürzte Berufslehre vorbereitet, häufig im Pflegebereich.
Basierend auf der Diplomarbeit «Arbeiten an der eigenen Sprache» von Lehrperson Carlotta Maesano haben Lernende ihre Gedanken zu Themen wie Arbeitswelt, Konsum, Politik, Zusammenleben oder Rollenbilder in eigene Worte gefasst. Entstanden ist eine Sammlung von Texten, die zeigen, wie vielfältig Perspektiven sein können, wenn Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen zusammenkommen.
Carlotta Maesano setzt dabei bewusst auf das Schreiben als Lernprozess. Statt abstrakter Übungen arbeiten die Teilnehmenden an eigenen Texten, mit Themen, die sie wirklich betreffen. «Sobald Emotion und persönliches Interesse im Spiel sind, steigt die Konzentration enorm», sagt sie. Gleichzeitig erweitern die Lernenden ihren Wortschatz und gewinnen Sicherheit im Ausdruck.
.

Künstliche Intelligenz – aber wer zahlt am Ende die Steuern?
Ich habe diese Frage gewählt, da ich mittlerweile 34 Jahre alt bin und zur letzten Generation gehöre, die ihre Kindheit noch ohne soziale Medien erlebt hat. Die technologischen Errungenschaften der letzten Jahre faszinieren mich sehr – auch wenn ich manchmal ein wenig Sorge habe, wohin diese Entwicklungen unsere Gesellschaft führen werden.
Gerade im Bereich der KI-Technologie stehen uns meiner Meinung nach in den nächsten 20 Jahren unvorstellbare Veränderungen bevor. Wissenschaftlich betrachtet steckt die künstliche Intelligenz noch in den Kinderschuhen. Dennoch finde ich es bereits jetzt beängstigend, wie sie in so kurzer Zeit eine weltweite Abhängigkeit geschaffen hat. Viele – und ich meine wirklich viele – Berufe, für die der Mensch früher unverzichtbar war, können heute schon von intelligenten Maschinen übernommen werden. Tagtäglich werden auf diesem Gebiet Durchbrüche erzielt, die vor 20 Jahren noch reine Science-Fiction waren.
Ich erwarte in den kommenden zwei Jahrzehnten grosse Fortschritte in der Quantencomputer-Technologie. Diese Entwicklungen werden erhebliche gesellschaftliche Herausforderungen mit sich bringen.
Ein wesentliches Problem sehe ich darin, dass Maschinen bzw. selbstlernende Roboter, die einen oder mehrere Menschen ersetzen, nicht besteuert werden. Ich frage mich, wie dieses Defizit im Staatshaushalt künftig ausgeglichen werden soll.
Mein persönliches Fazit: Man sollte dieser neuen Technologie mit einer kritischen Haltung begegnen, gleichzeitig aber auch die Chancen nutzen, die sie uns bietet – um den Anschluss an die fortschreitende Technologisierung nicht zu verlieren.
.

Ohne Armut mehr Frieden und Sicherheit
Wenn die Armut besiegt würde, werden alle Menschen gleiche Lebensqualität haben, gleiche Chance haben, keine Ungleichheit zwischen die Menschen geben, keine Sorgen über Existenz und Geborgenheit für die Zukunft. Die Menschen würden ihr Wünschen und Ziele verwirklichen, da sie bessere Möglichkeiten/ Chance um ihre Ziele erreichen zu haben.
Begründung: Die Armut spielt Menschenzufriedenheit grosse Rolle. Die Armut löst Konflikt zwischen Menschen aus. wenn wir die Welt anschauen, die Kriegen Konflikten und Ungleichheit sind mehr sichtbar und aktiv Länder, die arme sind. Deshalb finde, dass, die Armut zu besiegen bringt mehr Sicherheit und Zufriedenheit für Menschen.
.

Kultur in der Schweiz – im Alltag erlebt
Am Morgen im Bus ist es ruhig. Die Leute schauen aus dem Fenster, jemand liest Zeitung, jemand hört Musik. Eine ältere Frau steigt ein, ich lächle sie an und sage «Grüezi». Sie lächelt zurück. Es ist nur ein kleiner Moment, aber genau dort beginnt für mich Kultur.
Als ich in die Schweiz kam, war vieles neu. Die Menschen sprechen anders, leben anders, denken manchmal anders. Am Anfang fühlte ich mich fremd. Ich wusste nicht immer, wie ich mich verhalten soll. Hier ist Pünktlichkeit wichtig, Ordnung auch, und man respektiert den persönlichen Raum der anderen. Mit der Zeit habe ich verstanden, dass das Teil der Kultur ist.
Bei der Arbeit erlebe ich jeden Tag, was Kultur wirklich bedeutet. Ich arbeite mit Menschen aus verschiedenen Ländern. Jeder bringt seine Geschichte mit, seine Gewohnheiten, seine Art zu sprechen. Manchmal verstehen wir uns nicht sofort, manchmal braucht es Geduld. Aber oft entstehen schöne Momente – wenn wir zusammen lachen, uns helfen oder einfach miteinander reden.
Kultur ist nicht nur Tradition oder Herkunft. Kultur ist im Alltag. Wie wir grüssen. Wie wir miteinander sprechen. Wie wir jemanden anschauen oder ihm zuhören. Die Menschen lassen einander Raum, aber sie helfen, wenn jemand Hilfe braucht.
Ich denke oft: Wir sind alle verschieden, aber wir suchen alle das Gleiche – Ruhe, Sicherheit, ein gutes Leben. Wenn man offen ist und andere akzeptiert, wird das Zusammenleben leichter. Man muss nicht gleich sein, um sich zu verstehen.
Für mich ist Kultur heute etwas Lebendiges. Etwas, das zwischen Menschen entsteht. Jeden Tag neu. In kleinen Begegnungen, in Gesprächen und in menschlichen Momenten. Kultur in der Schweiz – im Alltag erleben.
Die eigene Stimme finden
Was in diesen Texten spürbar wird, ist mehr als sprachlicher Fortschritt. Es ist der Moment, in dem Menschen beginnen, ihre eigene Stimme zu finden, manchmal zum ersten Mal.
Im ABU-E treffen Personen aufeinander, die unterschiedlich sozialisiert wurden. Einige hatten bisher kaum Gelegenheit, ihre Meinung frei zu formulieren oder zu vertreten. In der Atmosphäre der Schreibwerkstatt entsteht genau dafür Raum: Texte werden gelesen, diskutiert und weiterentwickelt, bewusst in kleinen Gruppen, ohne Bewertungsdruck.
Dieser Prozess stärkt nicht nur die sprachlichen Kompetenzen, sondern auch das Selbstvertrauen. Oder, wie es eine zentrale Erkenntnis vieler Teilnehmender auf den Punkt bringt: Ich habe eine Stimme und sie zählt.
.
Weitere Geschichten aus der Schreibwerkstatt ABU-E folgen in zwei Wochen.