Der Abteilungsleiter der Brückenangebote Beat Glauser beantwortet Fragen zum letzten Jahr.
Welches Wort charakterisiert das vergangene Jahr?
Zusammenarbeit
Im Berichtsjahr haben wir einen wichtigen Prozess gestartet: Wir definieren gemeinsam die Rollen, Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege klarer innerhalb der Klassenteams und zwischen den Standorten. Unser Ziel ist eine transparente und verlässliche Grundlage für eine motivierende Zusammenarbeit.
Wir fördern einen offenen Austausch unter den Mitarbeitenden und eine wertschätzende, aktive Interaktion mit den Lernenden. Dafür haben wir erste Schritte eingeleitet, um gemeinsame Standards zu entwickeln, Erwartungen zu klären und eine Teamkultur der offenen, ehrlichen und respektvollen Kommunikation aufzubauen.
Diese klare Struktur soll weiterhin zu einer Zufriedenheit bei allen Beteiligten beitragen. So schaffen wir nicht nur Vertrauen und Orientierung, sondern auch ein inspirierendes Umfeld, in dem Lernen und Zusammenarbeit Freude bereiten.
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Zwei interessante Zahlen?
Rund 125 Lehrpersonen und Mitarbeitende an der Abteilung Brückenangebote
50 Klassen und Kurse
Unser grösster Erfolg?
Integration und Vielfalt – unsere Stärke
Die Abteilung Brückenangebote versteht sich als Brücke in die Zukunft. Wir begleiten Jugendliche und Erwachsene mit den unterschiedlichsten Hintergründen auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf.
Unsere Bildungsangebote fördern sprachliche, kulturelle und soziale Integration und schaffen Raum für persönliche Entwicklung. Vielfalt sehen wir nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung: Sie eröffnet neue Perspektiven und stärkt das gemeinsame Lernen.
Mit gezielter Unterstützung, praxisnahen Lernbereichen und einem respektvollen Miteinander sorgen wir dafür, dass alle die Chance auf einen erfolgreichen Übergang erhalten. Jeden Tag arbeiten unsere Mitarbeitenden daran, dieses Ziel zu verwirklichen.
Die wichtigste Erfahrung?
Die bedeutendste Erfahrung im vergangenen Jahr war die differenzierte Betrachtung einer herausfordernden disziplinarischen Situation:
Drei Lernende erhielten wegen wiederholtem Fehlverhalten einen Verweis – darunter Unterrichtsstörungen und Unpünktlichkeit. Auf den ersten Blick schienen die Fälle identisch, doch die Gespräche zeigten, dass hinter jedem Fehlverhalten sehr unterschiedliche Lebensrealitäten standen. Diese Erfahrung hat uns deutlich gemacht, wie wichtig es ist, agogische Entscheidungen individuell und ganzheitlich zu treffen.
Auch die Entwicklungen der Lernenden waren sehr unterschiedlich:
Eine Lernende konnte sich nicht auf eine Zusammenarbeit einlassen. Sie und ihre Familie werden betreut; ein Abbruch oder Ausschluss scheint wahrscheinlich und eine andere Lösung muss ins Auge gefasst werden.
Eine andere benötigte weitere Unterstützung und eine kurze Auszeit, bevor sie erfolgreich Schnupperlehren absolvierte und nun aktiv am Unterricht teilnimmt. Sie erhält zusätzlich externe Begleitung.
Die dritte Lernende zeigte bereits vor dem Gespräch positive Veränderungen, organisierte eigenständig Schnupperlehren und arbeitet seither zuverlässig an ihrer Berufswahl und im Unterricht.
Welches Thema hat Sie stark berührt?
Im vergangenen Jahr mussten wir schweren Herzens Abschied nehmen von Claudia Bärtschi und Mathias Kobel – zwei engagierten und sehr geschätzten Lehrpersonen an der BFF. Ebenso hat uns der viel zu frühe Tod eines Lernenden der Brückenangebote tief betroffen gemacht.
Wir danken allen, die in dieser schwierigen Zeit Unterstützung geleistet haben. Ihr Beistand und Ihr Mitgefühl waren für die Trauerfamilien eine grosse Hilfe.
Etwas, das Sie überrascht hat?
Es ist immer wieder bereichernd, Seiten von Lehrpersonen zu entdecken, die im Unterricht sonst verborgen bleiben – besondere Hobbys, Leidenschaften oder Talente. Solche Einblicke zeigen, wie vielfältig und einzigartig jede Persönlichkeit ist.
Die Vielfalt unter unseren Lehrpersonen ist ebenso gross wie bei den Lernenden. Sie macht unser Team bunt, inspirierend und spannend. Unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten helfen uns, voneinander zu lernen, neue Perspektiven zu gewinnen und gemeinsam zu wachsen.
Diese Vielfalt stärkt nicht nur die Zusammenarbeit, sondern ist auch ein zentraler Teil unserer Schulkultur – sie erinnert uns daran, dass hinter jeder Rolle ein Mensch mit vielen Facetten steht.
Wir sind interessiert an Neuem und offen für Veränderungen. Ein Erlebnis zum aktuellen Leitbild?
In der Abteilung Brückenangebote leben wir diesen Leitgedanken jeden Tag. Veränderungen verstehen wir als Chance, gemeinsam zu lernen und zu wachsen. Ein Beispiel dafür ist die Einführung neuer Lernformate: Bewährtes weiterzuführen und gleichzeitig gemeinsam ausprobieren, reflektieren und anpassen – immer mit dem Ziel, den Lernprozess noch wirkungsvoller und interessanter zu gestalten. Diese Offenheit zeigt sich auch in unserer Haltung: Wir hören zu, probieren aus und nehmen unterschiedliche Perspektiven ernst. So entsteht eine Kultur, die sich stetig weiterentwickelt und gelebt wird – Schritt für Schritt, im Alltag, durch alle Beteiligten.